Mit Zuversicht nach Neuchâtel

Donnerstag, 11.03.2021 | 21:03 Uhr

Die Spannung in der Challenge League spitzt sich Runde für Runde immer mehr zu. Den 25. Durchgang eröffnet der FC Schaffhausen auswärts beim taumelnden Neuchâtel Xamax FCS.

Ein Blick auf die Tabelle genügt um festzustellen, dass die diesjährige Challenge League-Saison mit einer hochklassigen Dramaturgie begleitet wird. Sowohl an der Tabellenspitze, wie auch im Kampf um den Abstieg spitzt sich die Lage immer mehr zu. Da ist zum einen der Dreikampf mit Schlusslicht Chiasso, das zwei Zähler hinter den punktgleichen Xamax und Kriens lauert und seit der Winterpause immer besser in Fahrt kommt, während die beiden Direktkonkurrenten einfach nicht vom Fleck kommen. Gerade die Luzerner spielen alles andere wie ein potenzieller Abstiegskandidat. Aufpassen muss aber auch Winterthur, das vor dem 1:0-Sieg gegen GC letzten Samstag sieben Partien lang auf einen Dreier warten musste, während das formstarke Wil den Eulachstädtern immer näher auf die Pelle rückt. Allerdings beträgt die Hypothek zur Roten Laterne noch 14 Punkte. Das sind doppelt so viele Zähler als die Distanz zum Barrageplatz, was wiederum aufzeigt, wie nahe die Spitzenteams beisammen liegen. Diesen zweiten Rang hält der FC Schaffhausen nach wie vor inne, gejagt von Thun und Stade Lausanne Ouchy, die auf einen weiteren Ausrutscher der Munotstädter hoffen, um deren Platz erben zu können. Der FCS hingegen hetzt Leader GC und will diesen mit einem Sieg in Neuchâtel weiter unter Druck setzen. Denn die Grasshoppers gastieren am Samstag beim SC Kriens und treffen dabei auf einen seiner Angstgegner. Aus den letzten vier Direktbegegnungen gabs zwei Siege für die Luzerner sowie ein 4:4-Unentschieden.

Vom Leprahaus zum Schmuckstück

In Schaffhausen kennt man das damalige Siechenhaus bei der Steig, wo Aussätzige und Kranke ihre letzte Bleibe fanden. Wie in nahezu allen Orten fand sich solch eine Art Aussenquartier auch in Neuenburg: Die Maladière (übersetzt: kranke Person). Aus Angst sich anstecken zu können, wurden in Zeiten des Mittelalters insbesondere Leprakranke dorthin versetzt. Erst im 18. Jahrhundert entwickelte sich das Viertel Maladière-Mail und als das Fussballfieber das Seyongebiet erfasste, entschlossen sich junge Unentwegte 1895 den FC Neuchâtel zu gründen und trugen ihre Matches dort aus. Höhepunkt war der Einzug ins Finalturnier 1903 der Serie A. Drei Jahre später fusionierte der Verein mit dem FC Vignoble zum FC Cantonal Neuchâtel. Acht Jahre nach dem ersten Meistertitel 1916 erhielt der Stadtclub am 06. September 1924 seine neue Spielstätte, das Stade de la Maladière. Abgesehen von ein paar nationale Highlight, erlebte das Stadion seine Blütezeit ab den 1970ern, besonders jedoch in den 1980er-Jahren, als das mittlerweile unter Xamax auflaufende Ensemble zweimal Schweizer Champion wurde und das grosse Real Madrid bezwang. Ebenso kam die Maldière in den Genuss zu vier Länderspielen, darunter gegen Portugal und Rumänien. 2004 wurde das Stadion abgerissen und durch ein neues 200 Millionen Franken teures Schmuckstück ersetzt, das nun auch ein Einkaufszentrum beinhaltet und ein grosses Parkhaus. Ebenso ist seither die städtische Feuerwehr in diesem Komplex beheimatet. Wer schon mal das hübsche, rot-schwarz gekleidete Stadion besucht hat, ist vermutlich auch schon mal durch die Feuerwehrsirene aufgeschreckt worden. In diesem Neubau fühlt sich übrigens auch der FC Schaffhausen pudelwohl, hat er in bislang sieben Auftritten drei Siege und ein Remis errungen. Diese Serie soll auch bei der neusten Auflage am Freitag weiterhin bestehen.

Zuletzt dreimal zu Null

In Neuchâtel hat man sich erhofft, dass mit der Rückkehr in die Super League wieder an glorreiche Zeiten angeknüpft werden könne, doch nach zwei schwierigen Jahren im Oberhaus landete Xamax wieder hart in der Challenge League, jedoch mit dem Ziel sofort den Wiederaufstieg anzustreben. Doch der personelle Umbruch mit 21 Abgängen und 22 Zuzügen im Sommer und vier im Winter, die unerklärlichen Ladehemmungen des eigentlichen Torgaranten Raphaël Nuzzolo (5 Tore, 5 Vorlagen in 24 Spielen) und die dauerhafte Baisse erwiesen sich als zu grosse Hypothek, um an der Spitze mitzukämpfen. Unglaubliche 16 Mal mussten die Xamaxiens in 24 Spielen bereits als Verlierer vom Platz und sind mitten im Abstiegskampf angekommen. Immerhin bezwangen die Neuenburger in der vorletzten Runde den Direktkonkurrenten Chiasso dank eines Zaubertores von Maxime Dominguez, was nur bedingt half, da die nächste Partie in Wil wiederum mit 0:1 verloren ging. So steht die Mannschaft des neuen Trainers Andrea Binotto, der zuletzt SLO coachte, unter Zugzwang, jedoch bleibt Xamax wie ein Magnet in der Strichregion haften. Und mit Schaffhausen gastiert nicht gerade der absolute Lieblingsgegner am Neuenburgersee, hat der FCS nämlich die letzten drei Begegnungen jeweils zu Null für sich entschieden. Vor allem Rodrigo Pollero und Francisco Rodriguez sorgten beim ersten Gastspiel in der Maladière für die Musik: Zwei Tore und ein Assist gingen auf das Konto des Uruguayers, zweimal bereitete Rodriguez per Corner die Vorlage vor. Uran Bislimi beschenkte sich am besagten 25. September mit einem seiner raren Toren zum 3:0 zu seinem 21. Geburtstag gleich selbst. Während Xamax auf Thibault Corbaz und Nuzzolo (beide gesperrt) sowie verletzungsbedingt auf sieben weitere Akteure (darunter Igor Djuric und Adam Ouattara) verzichten muss, verfügt der FCS bis auf Valon Hamdiu (Sperre), Paulinho und Sangoné Sarr (verletzt) über das gesamte Personal. Trotz diesen augenscheinlichen Vorteilen für die Munotstädter muss der Mahnfinger gehoben werden, denn in dieser Situation sind die Rot-Schwarzen unberechenbar, was die Ausgangslage umso spannender macht und - nicht ausser Acht zu lassen - mit dem Franzosen und achtfachen Torschützen Louis Mafouta einen "neuen" Topscorer in den Reihen der Neuenburger. Daher wird das Team rund um FCS-Coach Murat Yakin mit der nötigen Sensibilität auf die Jagd der drei wichtigen Punkte gehen, um den zweiten Rang zu verteidigen.
Die Partie zwischen Neuchâtel Xamax FCS und dem FC Schaffhausen wird ab 18:50 Uhr wie immer über den Livestream übertragen.

#füürenand mit #füürundflamme #füürdäFCS und es chräftigs #hoppschaffhuuse



Spielinfos, Spieltag & Anspielzeit

Begegnung: Neuchâtel Xamax FCS - FC Schaffhausen
Spieldatum: Freitag, 12.03.2021
Türöffnung Stadion: Keine Zuschauer zugelassen.
Anpfiff: 19:00 Uhr
Live: Schaffhauser Nachrichten (Liveticker)
Livestream: www.fcschaffhausen.ch/livestream ab 18:50 Uhr
TV-Spiel: FC Winterthur - FC Thun ab 19:45 Uhr. Zusammenfassung NE Xamax FCS – FCS im Free-TV auf blue sport Zoom
(voraussichtlich) abwesend: Paulinho, Sarr, Hamdiu
Schiedsrichter: David Huwiler / Christopher Chaillet / Silvan Sele / Markus Schelb
SFL Vorschau: Neuchâtel Xamax FCS – FC Schaffhausen



Bilanz FC Schaffhausen – Neuchâtel Xamax FCS
(incl. allen Vorgängervereinen)


FC Neuchâtel / FC Vignoble / FC Xamax
0 Meisterschaftsspiele

FC Cantonal Neuchâtel
(1970 mit FC Xamax zu Neuchâtel Xamax FC fusioniert)
22 Meisterschaftsspiele (zwischen 1951-1965)
9 Siege
8 Niederlagen
5 Unentschieden
31:38 Tore
Schweizer Cup 1960/61 – Viertelfinals
So, 19.02.1961 - FC Cantonal Neuchâtel – FCS 1:1 n.V.
So, 26.02.1961 - FCS – FC Cantonal Neuchâtel 6:1 (Wiederholungsspiel)

Neuchâtel Xamax FC (2013 mit FC Serrières zu Neuchâtel Xamax FCS fusioniert)
10 Meisterschaftsspiele (zwischen 1994-2006)
2 Siege
5 Niederlagen
3 Unentschieden
6:11 Tore
Schweizer Cup 1984/85 – Achtelfinals
So, 17.03.1985 – FCS – Neuchâtel Xamax FC 0:4
Schweizer Cup 2007/08 – Achtelfinals
Sa, 24.11.2007 – FCS – Neuchâtel Xamax FC 0:1

FC Serrières (2013 mit Neuchâtel Xamax FC zu Neuchâtel Xamax FCS fusioniert)
4 Playoffspiele (2001 und 2002)
3 Siege
1 Niederlage
0 Unentschieden
9:5 Tore

Neuchâtel Xamax FCS
14 Meisterschaftsspiele (ab 2015)
7 Siege
5 Niederlagen
2 Unentschieden
16:13 Tore

- letzte Begegnung: Saison 2020/21 – Challenge League, 11. Runde
Fr, 27.11.2020 - FC Schaffhausen – Neuchâtel Xamax FCS 2:0


Kaderinfos FC Schaffhausen


Paulinho: Paulinhos Knie lässt derzeit kein Mannschaftstraining zu. Derzeit ist er bis auf Weiteres krankheitsbedingt suspendiert.

Valon Hamdiu: Fehlt aufgrund einer Gelbsperre.

Sangoné Sarr: Befindet sich nach seinem Muskelfaserriss im Aufbautraining und fällt mindestens noch gegen Xamax aus.


Bild: www.freshocus.ch / Claudio de Capitani

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