Achterbahn-Gefühle beim 77. Regio-Derby

Sonntag, 04.08.2019 | 08:08 Uhr

Ein Auf und Ab zweier unzähmbarer Mannschaften hat die 77. Auflage des Ostschweizer Duells geboten. Einen Sieger zwischen dem FCS und Wil gibt es dabei nicht.

Als Schiedsrichter Stefan Horisberger nach 95 Minuten zum finalen Pfiff ansetzte, fühlten sich die Fans wohl um geschätzte 20 Jahre älter. Die Zuschauer wurden während der Partie unzähligen Gefühlswellen ausgesetzt. Chancen hüben wie drüben, strittige Szenen, sieben Tore, wovon eines allerdings nicht anerkannt wurde - Emotionen, wie sie es der Fussball (be)lebt. Dabei hätte wohl nach einer halben Stunde Spielzeit niemand damit gerechnet, dass der FCS, wie auch der FC Wil 1900 ihr Offensivfeuerwerk derart zünden liessen.
Denn die Konzentration lag während der Startphase hauptsächlich im Mittelfeld, als beide Teams nur zögerliche Anläufe wagten, um in die Gefahrenzone zu schreiten. Erst als in der 17. Minute Kwadwo Duah nach einem langen Zuspiel die gesamte FCS-Abwehr übertölpelte und alleinstehend vor Keeper Amir Saipi sein Abschluss knapp am Lattenkreuz vorbeisegeln sah, wurde diese Affiche so richtig lanciert. Keine zwei Zeigerumdrehungen hagelte es Proteste aus dem anderen Sechzehner, als FCZ-Leihgabe Fabian Rohner in einem Zweikampf Hélios Sessolo zu Fall brachte, derweil Ref Horisberger dabei keine Anzeichen machte, um in dieser Situation den geschuldeten Elfmeter per Pfiff anzukündigen. Auch fünf Minuten später hätten die Wiler sich wegen eines Penaltys nicht beschweren können, als Captain Imran Bunjaku nach einem Corner Sessolos von einem Gegenspieler zurückgehalten und somit gehindert wurde, die Führung zu realisieren.

Torreigen vor und nach der Pause

Der Penaltypfiff erfolgte dann in der 32. Minute doch noch. Einen vermeintlich vergebenen Corner versuchte Jan Kronig per Kopf wieder in den Strafraum zu hieven, als dieser von Fabian Rohners Haxen in Gesicht getroffen wurde. Sessolo übernahm die Verantwortung und vernaschte ex-FCS-Hüter Zivko Kostadinovic zum viel umjubelten Führungstreffer. Den Bann schien gebrochen, ehe Filip Stojilkovic mit seinem Konterantritt die Schaffhauser Verteidigung entblösste und postwendend das Score zu Gunsten der Wiler egalisierte. Die Äbtestädter waren wohl einen Moment zu lange in Feierlaune, klingelte es derweil bereits wieder hinter Kostadinovic. Nachdem Danilo Del Toros Eckball mit Sessolo einen dankbaren Abnehmer fand, sich durch die herangeflogenen Duah und Dominik Schmid nicht beirren liess und fein abstaubte, sah sich das Heimteam mit der 2:1-Führung einer Vorentscheidung entgegen. Vor allem, als Serge Müller kurz nach Wiederanpfiff einen Del Toro-Freistoss per Kopf im Netz versenkte, schien der erste Saisonsieg zum Greifen nah. Mitten während der Startdominanz des FCS im zweiten Durchgang erhielten die Gäste einen Freistoss zugesprochen. Aus rund 25 Meter aus aussenlinker Position brachte Mergim Brahimi das Leder in Richtung Saipi, der wegen eines Stellungfehlers nicht mehr an das Geschoss herankam und den Anschlusstreffer hinnehmen musste.

Fast die Partie gekehrt

Brahimis Treffer lähmte den FCS-Motor merklich, rochen nämlich die Wiler nun Lunte und drängten immer mehr auf den Ausgleich. Wortwörtlich mit Gebrüll - wie Muntwilers Tobsucht-Tiraden - und harten Tacklings, beispielsweise Silvio, der Elie Dindamba umsäbelte, übernahm die Sforza-Truppe das Zepter und wurde dank eines Duah-Hammers in der 70. Minute belohnt. Mit der Angst einer Niederlage im Nacken war die FCS-Verunsicherung in dieser Phase der Partie am deutlichsten zu spüren, zumal die Gäste munter weiter powerten. Zehn Minuten später zappelte der Ball in der Tat im Schaffhauser Tor. Doch Schiedsrichter Horisberger annullierte den Treffer von Joël Schmied wegen eines Foulspiels an FCS-Keeper Saipi. Dies wiederum liess den Gastgeber wieder auferstehen, sodass die Schlussphase zu einem offenen Schlagabtausch verkam. Doch nachdem Sessolo sowie Kontrahent Duah aus aussichtsreichsten Positionen jeweils ihre Matchbälle vergaben, blieb das 77. Regio-Derby schliesslich definitiv ohne Sieger.

Am Freitag wartet GC

Der erste Saisonsieg ist nach wie vor noch nicht im Kasten. Diesen am nächsten Spieltag zu realisieren, bedarf eines echten Prüfsteins, gastiert der FCS nämlich am kommenden Freitag beim Absteiger und verlustpunktlosen Leader Grasshopper Club, der beim Gastspiel in Aarau eine beeindruckende Leistung präsentierte. Die Aufgaben werden für den die Schaffhauser nicht einfacher, aber vielleicht gelingt Trainer Murat Yakin just am Freitag ein kluger Schachzug gegen Forte. Die Partie wird übrigens auch live im Teleclub ausgestrahlt.


Telegramm

FC Schaffhausen - FC Wil 1900 3:3 (2:1)
LIPO Park- 1713 Zuschauer - SR: Stefan Horisberger.
Tore: 33. Sessolo (Foulpenalty) 1:0, 37. Stojilkovic 1:1, 39. Sessolo 2:1, 49. Müller 3:1, 53. Brahimi 3:2, 70 Duah 3:3.
Schaffhausen: Saipi; Müller, Bunjaku, Kronig, Gönitzer (70. Qollaku); Del Toro, Bislimi, Tranquilli, Sessolo; Cooper (55. Dindamba), Zé Turbo (62. Barry).
Wil: Kostadinovic; Rohner, Schmied, Kamberi, Schmid; Muntwiler, Abedini; Brahimi (60. Von Niederhäusern), Krasniqi (79. Ndau), Duah; Stojilkovic (69. Silvio).
Bemerkungen:
Schaffhausen ohne Missi Mezu, Nikci, Rether, Paulinho (alle verletzt) und Djordjevic (nicht im Aufgebot). - 81. Tor von Schmied wegen Foul an Saipi aberkannt. - Urs Pfenninger mit 65 Dienstjahren und Hans Thoma mit 55 Dienstjahren beim FCS geehrt.
Verwarnungen: 32. Muntwiler (Reklamieren), 52. Bislimi (Foul), 83. Silvio (Foul), 95. Müller (Foul).

Achterbahn-Gefühle beim 77. Regio-Derby

Telegramm

FC Schaffhausen
FC Wil 1900
Saturday, 03.08.2019 | 19:00 Uhr
LIPO Park, Schaffhausen

Resultat: 3:3 (2:1)

Zuschauer: 1713

Torschützen

33' Sessolo 1:0
37' Stojilkovic 1:1
39' Sessolo 2:1
49' Müller 3:1
53' Brahimi 3:2
70' Duah 3:3

Karten

32' Muntwiler
52' Bislimi
83' Silvio
95' Müller

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