Doppelschlag reichte zum dritten Sieg

Sonntag, 06.08.2017 | 10:08 Uhr

Ja, auch solche Spiele gibt es. In einer kampfbetonten, teils zerfahrenen Partie sichert sich der FCS gegen Chiasso verdientermassen den dritten Sieg und behauptet sich weiter an der Tabellenspitze.

«Los, spiel endlich», enervierte sich Routinier Antoine Rey gegenüber Jean-Paul Farrugia, der sich in der Schlussphase bei einem Einwurf für Chiasso gerade in ein Wortgefecht mit Paulinho und Schiedsrichter-Assistent Jonas Erni verstrickte. Die Tessiner übten derweil ein schon fast ungewohntes Powerplay aus und waren äusserst bestrebt, das Leder irgendwie hinter FCS-Keeper Dorde Nikolic im Netz unterzubringen. Doch um es vorweg zu nehmen, die Basler Leihgabe reagierte derart souverän und parierte sämtliche Abschlussversuche, wie zum Beispiel bei Jetmir Krasniqis Hammer in der 91. Minute, als der serbische Torwart mit einer tollen Hechteinlage die Null definitiv sicherstellte. Und während die Rosso-Blú vergeblich den Anschlusstreffer suchte, blieb dem FCS genug Platz, um den Gast mit Konter endgültig schachmatt zu setzen. Mal über die Mitte mit dem eingewechselten Karim Barry, der gleich mehrere hundertprozentige Möglichkeiten ausliess, mal über die Seiten mit Paulinho oder André Gonçalves, der sich vom gelernten Aussenverteidiger zur Flügelrakete verwandelte. Doch hüben wie drüben klingelte es in den Netzen während des zweiten Durchgangs nicht mehr.

Von blutiger Stulpe bis zum kuriosen Mevlja-Wechsel

Diese Partie gegen die Tessiner wird man als Arbeitssieg in Erinnerung behalten, die auch von einer Kuriosität begleitet wurde. Souverän ging André Luis Neitzke in die jeweiligen Tacklings und befreite sämtliche Gegenspieler gekonnt von deren Ballbesitz. Bis zur 60. Minute, als der FCS-Captain zu spät zur Grätsche ansetzte und Stürmer Assan Ceesay von den Beinen holte. Schiedsrichter Ovcharov sah keinen anderen Weg, als den Italo-Brasilianer zu verwarnen. Weil Neitzke im ersten Durchgang bei einer Rudelbildung, bei der sämtliche Akteure, inklusive Trainer Murat Yakin und Guillermo Abascal, involviert waren, zwar schlichtend eingreifen wollte, ebenfalls den gelben Karton vor die Nase gestreckt bekam, musste der Schaffhauser frühzeitig vom Platz. Weil der FCS-Trainer zur gleichen Zeit wechseln wollte, schmiss sich Nejc Mevlja nach der Freigabe von Assistent Erni sogleich ins Getümmel, während Tunahan Cicek, der eigentlich vom Feld sollte, sich immer noch auf dem Feld befand. Es dauerte einen Moment, bis der Wechsel nach einigen Diskussionen dann in gewohnter Manier vonstattenging. Auch Chiassos Simone Belometti war in einen sonderbaren Fall verstrickt. Nachdem er sich wegen einer kleinen Schürfung am Knie behandeln lassen musste, blieb etwas Blut an seiner Stulpe haften. Ref Ovcharov bemerkte dies, ging davon aus, dass das Knie nach wie vor blute und schickte den Tessiner Captain zur Weiterbehandlung vom Feld. Dieser tobte am Seitenrand und versuchte zu erklären, dass sein Knie keine blutigen Spuren aufwies. Nach einer Waschaktion durch dessen Physiotherapeuten konnte Belometti die Partie fortsetzen.


Erster Treffer Sessolos

Dabei nahm das stets kampfbetonte Spiel eigentlich seinen gewohnten Lauf. Trotz etwas holprigem Start erarbeitete sich der FC Schaffhausen schon bald eine Feldüberlegenheit und kreierte ab der 13. Minute einige vielversprechende Chancen. Zuerst durchbrach Cicek die Tessiner Abwehrmauer, scheiterte allerdings am hervorragend reagierenden Goalie Anthony Mossi. Danach versuchte sich Hélios Sessolo, allerdings noch ohne Erfolg. Dieser kam dafür in der 42. Minute, als der Genfer Blondschopf einen weiteren Angriff lancierte und Paulinho über die rechte Seite losschickte. Dieser versuchte sich im Doppelpassspiel mit Cicek und gab ein flaches Zuspiel auf Sessolo, der endlich seinen ersten Pflichtspieltreffer im gelb-schwarzen Dress bejubeln durfte. Exakt 120 Sekunden später brandete erneut Schaffhauser Jubel aus. Neitzke bediente mit einem unglaublich präzisen Flachschuss den sich freigelaufenen Yassin Mikari, der von der Strafraumgrenze schoss und Mossi zum 2:0 bezwang. Auch wenn der FCS erneut viele Chancen kreierte, blieb es schliesslich bei diesem Resultat, welches trotz heftiger Gegenwehr Chiassos durchaus verdient war. Somit verteidigen die Munotstädter ihren Platz auf dem Leaderthron, wenn man davon ausgeht, dass Neuchâtel Xamax FCS im heutigen Spitzenspiel gegen den FC Vaduz keine neun Tore gelingt.

Telegramm

FC Schaffhausen - FC Chiasso 1905 2:0 (0:0)
LIPO Park - 1736 Zuschauer - SR: Vladimir Ovcharov
Tore: 42. Sessolo 1:0, 44. Mikari 2:0.
Schaffhausen: Nikolic; Loosli, Neitzke, Rhyner; Bunjaku; Paulinho, Zock, Castroman, Mikari (76. Gonçalves); Cicek (63. Mevlja), Sessolo (72. Barry).
Chiasso: Mossi; Delli Carri (76. Bilinovac), Adebini, Belometti; Krasniqi, Fatkic, Rey, Said; Padula (58. Soumarè), Franzese (46. Farrugia), Ceesay.
Bemerkungen: Schaffhausen ohne Gül, Grasseler, Matic (alle verletzt), Fioravanti, Vannuca und Demhasaj (alle nicht im Aufgebot). - Trauerminute vor Anpfiff für die verstorbene FCS-Legende Othmar Iten.
Verwarnungen: 35. Rey (Unsportlichkeit), 35. Neitzke (Unsportlichkeit), 66. Delli Carri (Foul), 75. Soumarè (Foul).
Gelb-Rote Karte: 60. Neitzke (Foul, im nächsten Spiel gegen Aarau gesperrt).

Doppelschlag reichte zum dritten Sieg

Telegramm

FC Schaffhausen
FC Chiasso 1905
Saturday, 05.08.2017 | 19:00 Uhr
LIPO Park, Schaffhausen

Resultat: 2:0 (2:0)

Zuschauer: 1736

Torschützen

42' Hélios Sessolo 1:0
44' Yassin Mikari 2:0

Karten

35' Antoine Rey (Unsportlichkeit)
35' André Luis Neitzke (Unsportlichkeit)
60' André Luis Neitzke (Foul, im nächsten Spiel gesperrt)
66' Samuel Delli Carri (Foul)
75' Moussa Soumarè (Foul)

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