Rückrundenmeister trotz Abschlussniederlage

Sonntag, 04.06.2017 | 10:06 Uhr

Lebenszeichen der Wiler. Nach einer total verkorksten zweiten Saisonhälfte landeten die Äbtestädter im letzten Spiel einen Dreier. Weil zugleich Aarau Vizemeister Xamax FCS besiegte, holte sich der FC Schaffhausen dennoch den inoffiziellen Rückrundentitel.

Es war unschwer festzustellen, dass die Akteure beider Mannschaften die Sommerpause herbeisehnten. Dementsprechend bescheiden war die Abschlusspartie in den meisten Phasen. Nicht zuletzt, weil es sportlich um nichts mehr ging. Obschon die Wiler die Saison auf dem letzten Tabellenplatz abschlossen, werden sie auch in der kommenden Spielzeit in der Challenge League mitwirken, da sich der FC Le Mont-sur-Lausanne freiwillig aus dem Profifussball verabschiedete. Gleichzeitig feierte der FC Zürich vor fast 15‘000 Zuschauern den Wiederaufstieg in die Super League. Von dort wird Absteiger FC Vaduz die zweithöchste Liga bestücken und aus der Promotion League komplettiert der FC Rapperswil-Jona 1928 die Liga, der erstmals in seiner Vereinsgeschichte Challenge League-Luft schnuppern wird.

Überraschender Abschied Jacobaccis

Für den grössten Paukenschlag sorgte der Gastgeber kurz vor dem Anpfiff, als der Stadionsprecher nach diversen Ehrungen zuletzt auch Chefcoach Maurizio Jacobacci verabschiedete. Am Vortag, als die Vereinsleitung sich entschloss, den Vertrag mit dem ehemaligen Schaffhauser Erfolgstrainer nicht zu verlängern, wurde auch vereinbart, dass dies erst am kommenden Dienstag kommuniziert würde. «Ich hätte es den Spielern, die davon noch nichts wussten, gerne persönlich mitgeteilt», erzählte Jacobacci nach Spielschluss, der eigentlich gerne in Wil geblieben wäre. Nun prüfe der Italo-Berner einige lukrative Trainerangebote, die in den letzten Tagen und Wochen eingegangen sind. Auch wenn Jacobacci eine Herkulesaufgabe bewältigen musste, da die Wiler Akteure bei seiner Übernahme in vielen Belangen grosse Defizite aufwies, gelang es dem feurigen Trainer immerhin, die Mannschaft konkurrenzfähig zu stimmen, auch wenn in den elf Partien lediglich zehn Punkte herausschauten - immerhin mehr als Aarau und Le Mont, die im gleichen Zeitraum nur je sechs Zähler sammelten.

Ex-FCS-Spieler sorgten für Wiler Führung

Die Wiler trotzten allen Umständen und spielten befreiter als auch schon auf, auch wenn die Offensivaktionen an diesem sommerlichen Abend übersichtlich blieben. Ausgerechnet zwei ehemalige Schaffhauser sorgten nach 11 Minuten für ein erstes Erfolgserlebnis. Shaho Maroufi passte sich gemeinsam mit Erhan Yilmaz durch die Gegnerschaft hindurch, als der Iraner Johan Vonlanthen anspielte, der mit einer 90-Grad-Drehung Franck Grasseler zwischen den Beinen erwischte und so die Führung für die Ostschweizer markierte. Für fast ekstatische Stimmung sorgten die Fans mit ihrem Raunen auf den Rängen, als in der 23. Minute Yilmaz einen Corner in den Schaffhauser Strafraum trat. Zuerst köpfelte Arnaud Bühler das Leder an den Pfosten, als Basil Stillhart den Nachschuss ebenfalls am Gestänge abprallen sah und gleich nochmals nachlegen durfte. Doch beim dritten Versuch rettete Captain André Luis Neitzke in Extremis auf der Linie. Die Munotstädter hingegen glänzten mit Effizienz. Der erstmals in einem Pflichtspiel von Beginn weg mitwirkende Sanijel Kucani bediente in der 29. Minute Faruk Gül, der kurzen Prozess machte und zum Ausgleich einschoss. Es sollte die einzige gefährliche Offensivaktion der Munotstädter bleiben. Vielmehr lauerten die Ostschweizer auf Konter, doch auch wenn es einige Male brenzlig wurde, entschärfte die sattelfeste Schaffhauser Verteidigung die sich anbahnende Gefahr gekonnt. Allerdings beanspruchten sie auch etwas Glück, wie in der 64. Minute, als Maroufi einmal mehr zum Spurt ansetzte und von der Grundlinie aus den völlig freistehenden Yilmaz anspielte. Dieser brachte das Kunststück fertig vom Elfmeterpunkt aus das leere Tor nicht zu treffen. Nur kurz darauf hatte Kucani seinen ersten FCS-Treffer auf dem Fuss. Die Flugbahn seiner Flanke von der Strafraumgrenze aus änderte sich in Richtung Tor, wo Dylan Stadelmann mit einer akrobatischen Einlage die Führung der grün-schwarz gekleideten Schaffhauser verhinderte.

«Facchi-La-Bomba» ans Lattenkreuz

Die stärkste Phase hatten die Schaffhauser in der Schlussviertelstunde, als sich plötzlich im Minutentakt einige Möglichkeiten ergaben, die Partie zu entscheiden. Zuerst versuchte sich Steven Lang mit einem Lobball über Keeper Noam Baumann, danach zeichnete sich der Wiler Hüter aus, als dieser einen Schlenzer Gjelbrim Taipis aus der Ecke kratzte. Auch als Lang, der nach einem  Neitzke-Pass über die gesamte Spielerschaft alleine vor dem Tor auftauchte, konnte dieser nicht zum Jubel ansetzen, weil ein gegnerischer Spieler im letzten Moment den Jurassier am Schuss hinderte. Zuletzt versuchte sich Mirko Facchinetti mit einem Freistoss, doch seine berüchtigt-berühmte «Facchi-La-Bomba» sah der Tessiner vom Lattenkreuz abklatschen. Für den Schlusspunkt sorgte der eingewechselte Enis Latifi, der nach einem Zuspiel Stillarts mit einem Flatterball das zweite Tor für die Äbtestädter erzielte.

Bestes BCL-Team der Rückrunde

Trotz der 1:2-Niederlage zum Abschluss darf der FC Schaffhausen auf ein bislang erfolgreiches Kalenderjahr zurückblicken. Als Tabellenletzter in die Rückrunde gestartet setzten die Munotstädter zu einem unglaublichen Lauf an und holten Rang um Rang auf. Die Belohnung dafür ist der vierte Schlussrang und der inoffizielle Titel als Rückrundenmeister. Mit 38 Punkten aus 18 Partien schliesst der FCS das erste Halbjahr auf dem ersten Platz ab und weist den FC Zürich, Neuchâtel Xamax FCS und Servette FC, die allesamt 37 Zähler ergatterten, auf die Ränge zwei bis vier. Die Spannung ist jetzt schon gross, wie sich der FC Schaffhausen in der Saison 2017/18 präsentiert. Der Start der neuen Meisterschaft ist am 22. Juli 2018. Gegen welches Team der FCS die Saison eröffnen wird, gibt die Swiss Football League etwa in der Kalenderwoche 25 bekannt.

Telegramm

FC Wil 1900 - FC Schaffhausen 2:1 (1:1)
IGP Arena - 710 Zuschauer - SR: Luca Piccolo.
Tore: 12. Vonlanthen 1:0, 29. Gül 1:1, 89. Latifi 2:1.
Wil: Baumann; Stadelmann, Roesler, Bühler, Keller; Stillhart, Breitenmoser (87. Schiavano), Maroufi, Yilmaz (76. Latifi), Vonlanthen; Rahimi (58. Titaro).
Schaffhausen: Grasseler; Lekaj (70. Tranquilli), Neitzke, Rhyner, Mevlja; Kucani, Bunjaku, Taipi, Del Toro (57. Mikari); Gül (61. Facchinetti), Lang.
Bemerkungen: Wil ohne Bottani (gesperrt), Gomis, Lombardi, Schäppi, Ozokwo, Fazli, Scholz, Gjoshi, Mlinar und Ajeti (alle verletzt). Schaffhausen ohne Zock (gesperrt), Matic, Gonçalves, S. Demhasaj (verletzt), Zuli, Paulinho, Wellhäuser und Zornjak (alle nicht im Aufgebot). - Mlinar, Fazli, Bühler, Deana und Trainer Jacobacci von Wil verabschiedet. - 23. Pfostenkopfball Bühler. 23. Pfostenschuss Stillhart. 23. Neitzke rettet Schuss von Stillhart auf der Linie. 66. Stadelmann rettet Schuss von Kucani auf der Linie. 83. Schuss von Facchinetti ans Lattenkreuz.
Verwarnungen: 28. Rahimi (Foul), 39. Stillhart (Unsportlichkeit), 39. Rhyner (Unsportlichkeit), 72. Mikari (Foul), 92. Neitzke (Reklamieren).

Rückrundenmeister trotz Abschlussniederlage

Telegramm

FC Wil 1900
FC Schaffhausen
Saturday, 03.06.2017 | 17:45 Uhr
IGP Arena, Wil

Resultat: 2:1 (1:1)

Zuschauer: 710

Torschützen

12' Johan Vonlanthen 1:0
29' Faruk Gül 1:1
89' Enis Latifi 2:1

Karten

28' Fuad Rahimi (Foul)
39' Basil Stillhart (Unsportlichkeit)
39' Jean-Pierre Rhyner (Unsportlichkeit)
72' Yassin Mikari (Foul)
92' André Luis Neitzke (Reklamieren)
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